© 2019 Ammantempel Luzern

Hin­du­is­mus

HINDUISMUS

Der Hin­du­is­mus bil­det die dritt­größ­te Reli­gi­ons­ge­mein­schaft der Erde und zählt mehr als 1,1 Mil­li­ar­den Anhän­ger, die Hin­du genannt wer­den. Die ältes­ten Schrif­ten sind die Veden (skt. “Wis­sen”) und das wohl ver­brei­tes­te Buch ist die Bha­ga­vad­gi­ta.

Der Hin­du­is­mus ist äußerst unein­heit­lich und geht von poly­the­is­ti­scher Idol­ver­eh­rung bis zur mono­the­is­ti­schen Phi­lo­so­phie. Des­halb kennt er auch kein all­ge­mein­gül­ti­ges Glau­bens­be­kennt­nis. Eine wich­ti­ge Aus­sa­ge des Hin­du­is­mus ist, dass jeder Mensch sei­ne eige­ne Reli­gi­on habe, wes­halb es sovie­le Reli­gio­nen gebe, wie Men­schen. Die ver­schie­de­nen Schu­len leben meist fried­lich neben­ein­an­der und fei­ern auch gemein­sam, trotz zum teil recht unter­schied­li­cher Welt­an­schau­un­gen. Aus dem Hin­du­is­mus haben sich der Bud­dhis­mus, der Jinis­mus und der Sik­his­mus ent­wi­ckelt und heu­te ist der Hin­du­is­mus eine belieb­te “Fund­gru­be” für aller­lei eso­te­ri­schen Strö­mun­gen.

Rich­tun­gen im Hin­du­is­mus

Die tra­di­tio­nel­len Haupt­rich­tun­gen des Hin­du­is­mus wer­den Smar­ta, Vaish­na­va, Shai­va, Shak­ta und Sau­ra genannt. Dabei ist zu beach­ten, dass jede Rich­tung meh­re­re Strö­mun­gen bil­den, die wie­der­um in diver­se Sek­ten auf­ge­teilt sind. Wie sonst im Hin­du­is­mus sind die Gren­zen flies­send und Strö­mun­gen kön­nen sich mischen.

  • Smar­ta (“Tra­di­tio­na­lis­ten”) beru­fen sich auf die Veden und ver­eh­ren die “fünf Haus­göt­ter” (pañ­ca­ya­ta­na): Vish­nu, Shi­va, Devi, Gane­sha und Sur­ya. Die­se Rich­tung wur­de ent­schei­dend vom indi­schen Phi­lo­so­phen Shan­k­a­ra (788–820) geformt.
  • Vaish­na­va (“Vish­nu­vereeh­rer”) betrach­ten meist Vish­nu als all-eini­gen Gott, dem ande­re Gott­hei­ten unter­ge­ord­net sind. Eine wich­ti­ge Aus­rich­tung des Vish­nuis­mus bil­den die Krish­na-Ver­eh­rer. Die Vish­nui­ten ten­die­ren stark zum Mono­the­is­mus, wobei die See­le ver­sucht ins Gott auf­zu­ge­hen.
  • Shai­va (“Shi­va­ver­eh­rer”) betrach­ten Shi­va und des­sen Fami­lie als höchs­te Gott­heit. Es gibt zwei Haupt­rich­tun­gen, der Volks­shi­vais­mus, der beim ein­fa­chen Volk ver­brei­tet ist und als zwei­te Rich­tung der aske­ti­sche Shi­vais­mus, bestehend aus meh­re­ren aske­ti­schen Grup­pie­run­gen, dar­un­ter auch die Nath­yog­ins, von denen der Hata Yoga stark geprägt wor­den ist.
  • Shak­ta (“Shak­ti­ve­reh­rer”) ver­eh­ren die Shak­ti als höchs­te gött­li­che Ener­gie. Der Shak­tis­mus ist eng mit dem Shi­vais­mus und dem Tan­tris­mus ver­kn­püpft. Da die Shak­ti Sym­bol der “Gros­sen Göt­tin” ist, sind Frau­en die­ser Aus­rich­tung weni­ger einem rein männ­li­chen Welt­bild unter­wor­fen.
  • Sau­ra (“Sur­ya­ver­eh­rer”) ver­eh­ren den Son­nen­gott Sur­ya. Die­se Rich­tung war im Mit­tel­al­ter in Nord­in­di­en weit ver­brei­tet, spielt heut aber kaum noch eine Rol­le.
Gott­hei­ten im Hin­du­is­mus

Im phi­lo­so­phisch-theo­lo­gi­schen Sys­tem des Hin­du­is­mus steht zuoberst und am Anfang das abso­lu­te gött­li­che Prin­zip, manch­mal brah­man benannt. Es ist eigen­schafts­los, wird aber den­noch mit sat-cid-anan­da (»Sein-Bewusst­sein-Won­ne«) umschrie­ben. Es ist zeit­los und durch­dringt alles. Es kann auch mit »Welt­see­le« oder »Höhe­res Selbst Got­tes« umschrie­ben wer­den. Intel­lek­tu­ell kann es nicht ver­stan­den wer­den, son­dern wird nur durch mys­ti­sche Schau erfah­ren. Da dies nur weni­gen gege­ben ist, per­so­na­li­siert sich das Gött­li­che Prin­zip im Ish­va­ra (“Herr”) oder Bha­ga­van (“Erha­be­ner”). Die­ser kann nicht mate­ri­ell gedacht oder gar in einem Bild erfasst wer­den. Er kann Vater, Mut­ter, Gelieb­ter oder Freun­din sein und steht in einem per­sön­li­chen Ver­hält­nis zum Ver­eh­rer.

In der nächst­un­te­ren Stu­fe mani­fes­tiert sich das Gött­li­che im der Tri­mur­ti (“Drei­ge­stalt”), mit den drei Göt­tern Brah­ma, Vish­nu und Shi­va. Neben den drei Haupt­göt­tern und deren Anhang wer­den noch wei­te­re Gott­hei­ten ver­ehrt, wie der Don­ner­gott und Göt­ter­kö­nig Indra oder der Son­nen­gott Sur­ya.

Wird ein Gott auf der Erde inkar­niert, spricht man von einem Ava­tar. Am bekann­tes­ten sind die zehn Ava­tare von Vish­nu, dar­un­ter der indi­sche Natio­nal­held Rama und Krish­na, “Gott in Per­son”, auch der Bud­dha zählt zu den Ava­taren Vish­nus.

Das weib­li­che Prin­zip wird ver­tre­ten durch Devi (“Göt­tin”), die sich in ver­schie­de­nen For­men mani­fes­tiert, wie der gut­mü­ti­gen Par­va­ti oder der schreck­li­chen schwar­zen Kali.

Der Kos­mos wird zudem noch von Geis­tern und Dämo­nen aller Art, Tie­ren, Men­schen und ihren Ahnen, sowie Gewäch­sen bevöl­kert.

Eine Reli­gi­on der Frei­heit

Anders als ande­re Reli­gio­nen behaup­tet der Hin­du­is­mus nicht dog­ma­tisch, dass die fina­le nur mit sei­nen und kei­nen ande­ren Mit­teln mög­lich sei. Er ist nur ein Weg zum Ende, und alle Wege, die zu die­sem Ende füh­ren, wer­den eben­so befür­wor­tet. Der Hin­du­is­mus erlaubt dem ratio­na­len Ver­stand des Men­schen abso­lu­te Frei­heit. Der Hin­du­is­mus ver­langt nie­mals irgend­wel­che unan­ge­mes­se­nen Ein­schrän­kun­gen der Frei­heit des mensch­li­chen Ver­stan­des, sei­ner Gedan­ken, Gefüh­le und dem Wil­len der Men­schen.

Er erlaubt die umfas­sends­te Frei­heit, was Glau­ben und Ver­eh­rung angeht. Der Hin­du­is­mus ist eine Reli­gi­on der Frei­heit. Er erlaubt dem mensch­li­chen Herz und Ver­stand abso­lu­te Frei­heit was die Natur Got­tes, die See­le, die Schöp­fung die Art der Ver­eh­rung und das Lebens­ziel betrifft. Hin­du­is­mus besteht weder in der Akzep­tanz einer bestimm­ten Dok­trin, noch in der Ein­hal­tung bestimm­ter Ritua­le oder For­men der Ver­eh­rung. Nie­mand wird zu irgend­et­was der­glei­chen oder der Akzep­tanz bestimm­ter Dog­men gezwun­gen. Er erlaubt jedem zu reflek­tie­ren, zu for­schen, zu hin­ter­fra­gen und nach­zu­den­ken. Daher haben alle mög­li­chen reli­giö­sen Glau­bens­ar­ten, unter­schied­li­chen Arten der Ver­eh­rung oder Sadha­na, und diver­se Ritua­le und Bräu­che im Hin­du­is­mus Sei­te an Sei­te ihren ehr­ba­ren Platz gefun­den, und wer­den in har­mo­ni­scher Bezie­hung zu ein­an­der kul­ti­viert und ent­wi­ckelt.

Im Hin­du­is­mus wer­den die, die Gott als Schöp­fer und Herr­scher der Welt negie­ren, die die Exis­tenz einer ewi­gen See­le und den Zustand von Mok­s­ha oder von Befrei­ung nicht akzep­tie­ren, nicht ver­dammt. Der Hin­du­is­mus betrach­tet die Ver­tre­ter sol­cher Ansich­ten nicht als unge­eig­net, from­me und ehr­ba­re Mit­glie­der der reli­giö­sen Hin­du Gesell­schaft zu sein. Die reli­giö­se Gast­freund­schaft des Hin­du­is­mus ist sprich­wört­lich. Der Hin­du­is­mus ist extrem tole­rant und libe­ral. Dies ist die grund­le­gen­de Eigen­schaft die­ser Reli­gi­on. Er respek­tiert alle Reli­gio­nen. Er ver­schmäht kei­ne ande­re Reli­gi­on. Er akzep­tiert und ehrt die Wahr­heit wo immer sie her­kommt und in wel­chem Gewand sie sich auch zei­gen mag.

Erlö­sungs­leh­re des Hin­du­is­mus
Sam­s­a­ra

Der Hin­du glaubt an die Wie­der­ge­burt. Durch Han­deln ver­ur­sacht jedes Wesen neue Hand­lun­gen oder Kar­ma, das am Ende wie­der auf den Ver­ur­sa­cher zurück fällt; gute Taten füh­ren zu gutem Kar­ma, schlech­te zu schlech­tem, dane­ben gibt es auch neu­tra­le Hand­lun­gen. Die­se Hand­lun­gen kön­nen kör­per­lich oder geis­tig sein: wer schlecht über ande­re denkt, über den wird auch schlecht gedacht. Die­ses Kar­ma bleibt an der See­le haf­ten und wirkt so über den Tod hin­aus und ver­ur­sacht neue Gebur­ten. Der Kreis­lauf von Leben und Tod wird Sam­s­a­ra genannt. Beginnt ein Mensch durch spi­ri­tu­el­le Ent­wick­lung wenig Kar­ma zu ent­wi­ckeln, kann er altes auf­brau­chen oder durch Aske­se ver­bren­nen und erlangt am Ende Befrei­ung (mok­s­ha) von Sam­s­a­ra und ver­ei­nigt sich mit “brah­man” oder “parat­man”, der Welt­see­le. Die Pflich­ten die ein Mensch auf­grund sei­nes Kar­mas bei der Geburt erhält, muss er wie ein Gesetz (dhar­ma) befol­gen. In der Bha­ga­vad­gi­ta wird das Wech­seln der Kör­per ver­gli­chen mit dem Wech­seln der Klei­dung. Der Zustand der Erlö­sung wird mit den Wör­tern neti neti »Nicht so, nicht so« umschrie­ben und meint, dass der Zustand schlicht­weg nicht beschrie­ben wer­den kann.

Die­se Leh­re, dass schlech­te Taten auch nach dem Tode auf den Ver­ur­sa­cher zurück fal­len, hat dazu geführt, dass den Devo­tees die Gewalt­lo­sig­keit enorm wich­tig ist und auch prak­ti­ziert wird, indem z.B. kein Fleisch geges­sen wird.

 

Yoga

Yoga (zu skt. yuj- “anbin­den, anjo­chen”) bedeu­tet ent­we­der anbin­den des Kör­pers an die See­le oder der See­le an Gott und ver­gleicht sich somit mit dem Wort Reli­gi­on (zu lat. re-lige­re “sich wie­der ver­bin­den”). Je nach Ver­an­la­gung des ein­zel­nen Men­schen gibt es ver­schie­de­ne Wege, sich dem Gött­li­chen zu nähern und um Erlö­sung zu erlan­gen. Selbst­ver­ständ­lich kön­nen die ver­schie­de­nen Wege kom­bi­niert wer­den und jede Schu­le gibt auch ver­schie­de­ne Anlei­tun­gen für einen bestimm­ten Weg.

  • der Bhak­ti Yoga ist der Weg der Hin­ga­be und gilt oft als der leich­tes­te Weg. Er ist beson­ders für gefühls­vol­le Men­schen geeig­net.
  • der Jna­na Yoga ist der Weg des Stu­di­ums hei­li­ger Schrif­ten sowohl der Selbst­be­trach­tung. Er ist geeig­net für intel­lek­tu­el­le Natu­ren.
  • der Kar­ma Yoga ist der Weg selbst­lo­sen Han­delns und geeig­net für tat­kräf­ti­ge Men­schen.
  • der Kri­ya Yoga ist der Weg der Kult­aus­übung und ver­langt, dass die Ritua­le exakt aus­ge­übt wer­den. Kri­ya Yoga und Kar­ma Yoga wer­den oft ver­wech­selt.
  • der Hatha Yoga dient der Rei­ni­gung des Kör­pers und gilt als Vor­be­rei­tung für den Raja Yoga.
  • der Raja Yoga oder der König­syo­ga ist der Weg der Geist­be­herr­schung und kann nur von fort­ge­schrit­te­nen Yog­ins beschrit­ten wer­den.
  • der Kun­da­li­ni Yoga ist ein tan­tri­scher Weg der inne­re Lebens- und Schlan­gen­kraft.
Cha­rak­te­ris­ti­sche Eigen­schaf­ten des Hin­du­is­mus — eine offen­bar­te Reli­gi­on

Hin­du­is­mus ist die Reli­gi­on der Hin­dus und ein Name für vor­herr­schen­de uni­ver­sel­le Reli­gi­on. Es ist die ältes­te aller leben­di­gen Reli­gio­nen. Sie wur­de von kei­nem Pro­phe­ten gegrün­det. Er basiert nicht auf bestimm­ten Dog­men, die von bestimm­ten Leh­rern gepre­digt wer­den. Es ist frei von reli­giö­sem Fana­tis­mus. Hin­du­is­mus ist auch unter den Namen Sana­ta­na — Dhar­ma und Vai­di­ka-Dhar­ma bekannt. Sana­ta­na-Dhar­ma bedeu­tet “ewi­ge Reli­gi­on”. Der Hin­du­is­mus ist so alt wie die Welt. Hin­du-Schrif­ten sind die ältes­ten der Welt, Sana­ta­na-Dhar­ma wird nicht nur so genannt, weil es ewig ist, son­dern auch, weil es von Gott beschützt ist und weil es uns ewig wer­den lässt. Vai­di­ka-Dhar­ma bedeu­tet “die Reli­gi­on der Veden”. Die Veden sind die grund­le­gen­den Schrif­ten des Hin­du­is­mus. Die alten Rhi­sis und Wei­sen von Indi­en haben ihre intui­ti­ven spi­ri­tu­el­len Erfah­run­gen (Aparok­s­ha-Anub­huti) in den Upa­nis­ha­den aus­ge­drückt. Die­se Erfah­run­gen sind direkt und unfehl­bar. Der Hin­du­is­mus betrach­tet die spi­ri­tu­el­len Erfah­run­gen der Rishis von einst als sei­ne Auto­ri­tät. Die unbe­zahl­ba­ren Wahr­hei­ten, von den Hin­du Rishis und Wei­sen über Jahr­tau­sen­de ent­deckt, begrün­den die Herr­lich­keit des Hin­du­is­mus. Daher ist der Hin­du­is­mus eine offen­bar­te Reli­gi­on.

HINDUISMUS

Der Hin­du­is­mus bil­det die dritt­größ­te Reli­gi­ons­ge­mein­schaft der Erde und zählt mehr als 1,1 Mil­li­ar­den Anhän­ger, die Hin­du genannt wer­den. Die ältes­ten Schrif­ten sind die Veden (skt. “Wis­sen”) und das wohl ver­brei­tes­te Buch ist die Bha­ga­vad­gi­ta.

 Der Hin­du­is­mus ist äußerst unein­heit­lich und geht von poly­the­is­ti­scher Idol­ver­eh­rung bis zur mono­the­is­ti­schen Phi­lo­so­phie. Des­halb kennt er auch kein all­ge­mein­gül­ti­ges Glau­bens­be­kennt­nis. Eine wich­ti­ge Aus­sa­ge des Hin­du­is­mus ist, dass jeder Mensch sei­ne eige­ne Reli­gi­on habe, wes­halb es sovie­le Reli­gio­nen gebe, wie Men­schen. Die ver­schie­de­nen Schu­len leben meist fried­lich neben­ein­an­der und fei­ern auch gemein­sam, trotz zum teil recht unter­schied­li­cher Welt­an­schau­un­gen. Aus dem Hin­du­is­mus haben sich der Bud­dhis­mus, der Jinis­mus und der Sik­his­mus ent­wi­ckelt und heu­te ist der Hin­du­is­mus eine belieb­te “Fund­gru­be” für aller­lei eso­te­ri­schen Strö­mun­gen.

Rich­tun­gen im Hin­du­is­mus

Die tra­di­tio­nel­len Haupt­rich­tun­gen des Hin­du­is­mus wer­den Smar­ta, Vaish­na­va, Shai­va, Shak­ta und Sau­ra genannt. Dabei ist zu beach­ten, dass jede Rich­tung meh­re­re Strö­mun­gen bil­den, die wie­der­um in diver­se Sek­ten auf­ge­teilt sind. Wie sonst im Hin­du­is­mus sind die Gren­zen flies­send und Strö­mun­gen kön­nen sich mischen.

  • Smar­ta (“Tra­di­tio­na­lis­ten”) beru­fen sich auf die Veden und ver­eh­ren die “fünf Haus­göt­ter” (pañ­ca­ya­ta­na): Vish­nu, Shi­va, Devi, Gane­sha und Sur­ya. Die­se Rich­tung wur­de ent­schei­dend vom indi­schen Phi­lo­so­phen Shan­k­a­ra (788–820) geformt.
  • Vaish­na­va (“Vish­nu­vereeh­rer”) betrach­ten meist Vish­nu als all-eini­gen Gott, dem ande­re Gott­hei­ten unter­ge­ord­net sind. Eine wich­ti­ge Aus­rich­tung des Vish­nuis­mus bil­den die Krish­na-Ver­eh­rer. Die Vish­nui­ten ten­die­ren stark zum Mono­the­is­mus, wobei die See­le ver­sucht ins Gott auf­zu­ge­hen.
  • Shai­va (“Shi­va­ver­eh­rer”) betrach­ten Shi­va und des­sen Fami­lie als höchs­te Gott­heit. Es gibt zwei Haupt­rich­tun­gen, der Volks­shi­vais­mus, der beim ein­fa­chen Volk ver­brei­tet ist und als zwei­te Rich­tung der aske­ti­sche Shi­vais­mus, bestehend aus meh­re­ren aske­ti­schen Grup­pie­run­gen, dar­un­ter auch die Nath­yog­ins, von denen der Hata Yoga stark geprägt wor­den ist.
  • Shak­ta (“Shak­ti­ve­reh­rer”) ver­eh­ren die Shak­ti als höchs­te gött­li­che Ener­gie. Der Shak­tis­mus ist eng mit dem Shi­vais­mus und dem Tan­tris­mus ver­kn­püpft. Da die Shak­ti Sym­bol der “Gros­sen Göt­tin” ist, sind Frau­en die­ser Aus­rich­tung weni­ger einem rein männ­li­chen Welt­bild unter­wor­fen.
  • Sau­ra (“Sur­ya­ver­eh­rer”) ver­eh­ren den Son­nen­gott Sur­ya. Die­se Rich­tung war im Mit­tel­al­ter in Nord­in­di­en weit ver­brei­tet, spielt heut aber kaum noch eine Rol­le.
Gott­hei­ten im Hin­du­is­mus

Im phi­lo­so­phisch-theo­lo­gi­schen Sys­tem des Hin­du­is­mus steht zuoberst und am Anfang das abso­lu­te gött­li­che Prin­zip, manch­mal brah­man benannt. Es ist eigen­schafts­los, wird aber den­noch mit sat-cid-anan­da (»Sein-Bewusst­sein-Won­ne«) umschrie­ben. Es ist zeit­los und durch­dringt alles. Es kann auch mit »Welt­see­le« oder »Höhe­res Selbst Got­tes« umschrie­ben wer­den. Intel­lek­tu­ell kann es nicht ver­stan­den wer­den, son­dern wird nur durch mys­ti­sche Schau erfah­ren. Da dies nur weni­gen gege­ben ist, per­so­na­li­siert sich das Gött­li­che Prin­zip im Ish­va­ra (“Herr”) oder Bha­ga­van (“Erha­be­ner”). Die­ser kann nicht mate­ri­ell gedacht oder gar in einem Bild erfasst wer­den. Er kann Vater, Mut­ter, Gelieb­ter oder Freun­din sein und steht in einem per­sön­li­chen Ver­hält­nis zum Ver­eh­rer.

In der nächst­un­te­ren Stu­fe mani­fes­tiert sich das Gött­li­che im der Tri­mur­ti (“Drei­ge­stalt”), mit den drei Göt­tern Brah­ma, Vish­nu und Shi­va. Neben den drei Haupt­göt­tern und deren Anhang wer­den noch wei­te­re Gott­hei­ten ver­ehrt, wie der Don­ner­gott und Göt­ter­kö­nig Indra oder der Son­nen­gott Sur­ya.

Wird ein Gott auf der Erde inkar­niert, spricht man von einem Ava­tar. Am bekann­tes­ten sind die zehn Ava­tare von Vish­nu, dar­un­ter der indi­sche Natio­nal­held Rama und Krish­na, “Gott in Per­son”, auch der Bud­dha zählt zu den Ava­taren Vish­nus.

Das weib­li­che Prin­zip wird ver­tre­ten durch Devi (“Göt­tin”), die sich in ver­schie­de­nen For­men mani­fes­tiert, wie der gut­mü­ti­gen Par­va­ti oder der schreck­li­chen schwar­zen Kali.

Der Kos­mos wird zudem noch von Geis­tern und Dämo­nen aller Art, Tie­ren, Men­schen und ihren Ahnen, sowie Gewäch­sen bevöl­kert.

Eine Reli­gi­on der Frei­heit

Anders als ande­re Reli­gio­nen behaup­tet der Hin­du­is­mus nicht dog­ma­tisch, dass die fina­le nur mit sei­nen und kei­nen ande­ren Mit­teln mög­lich sei. Er ist nur ein Weg zum Ende, und alle Wege, die zu die­sem Ende füh­ren, wer­den eben­so befür­wor­tet. Der Hin­du­is­mus erlaubt dem ratio­na­len Ver­stand des Men­schen abso­lu­te Frei­heit. Der Hin­du­is­mus ver­langt nie­mals irgend­wel­che unan­ge­mes­se­nen Ein­schrän­kun­gen der Frei­heit des mensch­li­chen Ver­stan­des, sei­ner Gedan­ken, Gefüh­le und dem Wil­len der Men­schen.

Er erlaubt die umfas­sends­te Frei­heit, was Glau­ben und Ver­eh­rung angeht. Der Hin­du­is­mus ist eine Reli­gi­on der Frei­heit. Er erlaubt dem mensch­li­chen Herz und Ver­stand abso­lu­te Frei­heit was die Natur Got­tes, die See­le, die Schöp­fung die Art der Ver­eh­rung und das Lebens­ziel betrifft. Hin­du­is­mus besteht weder in der Akzep­tanz einer bestimm­ten Dok­trin, noch in der Ein­hal­tung bestimm­ter Ritua­le oder For­men der Ver­eh­rung. Nie­mand wird zu irgend­et­was der­glei­chen oder der Akzep­tanz bestimm­ter Dog­men gezwun­gen. Er erlaubt jedem zu reflek­tie­ren, zu for­schen, zu hin­ter­fra­gen und nach­zu­den­ken. Daher haben alle mög­li­chen reli­giö­sen Glau­bens­ar­ten, unter­schied­li­chen Arten der Ver­eh­rung oder Sadha­na, und diver­se Ritua­le und Bräu­che im Hin­du­is­mus Sei­te an Sei­te ihren ehr­ba­ren Platz gefun­den, und wer­den in har­mo­ni­scher Bezie­hung zu ein­an­der kul­ti­viert und ent­wi­ckelt.

Im Hin­du­is­mus wer­den die, die Gott als Schöp­fer und Herr­scher der Welt negie­ren, die die Exis­tenz einer ewi­gen See­le und den Zustand von Mok­s­ha oder von Befrei­ung nicht akzep­tie­ren, nicht ver­dammt. Der Hin­du­is­mus betrach­tet die Ver­tre­ter sol­cher Ansich­ten nicht als unge­eig­net, from­me und ehr­ba­re Mit­glie­der der reli­giö­sen Hin­du Gesell­schaft zu sein. Die reli­giö­se Gast­freund­schaft des Hin­du­is­mus ist sprich­wört­lich. Der Hin­du­is­mus ist extrem tole­rant und libe­ral. Dies ist die grund­le­gen­de Eigen­schaft die­ser Reli­gi­on. Er respek­tiert alle Reli­gio­nen. Er ver­schmäht kei­ne ande­re Reli­gi­on. Er akzep­tiert und ehrt die Wahr­heit wo immer sie her­kommt und in wel­chem Gewand sie sich auch zei­gen mag.

Erlö­sungs­leh­re des Hin­du­is­mus
Sam­s­a­ra

Der Hin­du glaubt an die Wie­der­ge­burt. Durch Han­deln ver­ur­sacht jedes Wesen neue Hand­lun­gen oder Kar­ma, das am Ende wie­der auf den Ver­ur­sa­cher zurück fällt; gute Taten füh­ren zu gutem Kar­ma, schlech­te zu schlech­tem, dane­ben gibt es auch neu­tra­le Hand­lun­gen. Die­se Hand­lun­gen kön­nen kör­per­lich oder geis­tig sein: wer schlecht über ande­re denkt, über den wird auch schlecht gedacht. Die­ses Kar­ma bleibt an der See­le haf­ten und wirkt so über den Tod hin­aus und ver­ur­sacht neue Gebur­ten. Der Kreis­lauf von Leben und Tod wird Sam­s­a­ra genannt. Beginnt ein Mensch durch spi­ri­tu­el­le Ent­wick­lung wenig Kar­ma zu ent­wi­ckeln, kann er altes auf­brau­chen oder durch Aske­se ver­bren­nen und erlangt am Ende Befrei­ung (mok­s­ha) von Sam­s­a­ra und ver­ei­nigt sich mit “brah­man” oder “parat­man”, der Welt­see­le. Die Pflich­ten die ein Mensch auf­grund sei­nes Kar­mas bei der Geburt erhält, muss er wie ein Gesetz (dhar­ma) befol­gen. In der Bha­ga­vad­gi­ta wird das Wech­seln der Kör­per ver­gli­chen mit dem Wech­seln der Klei­dung. Der Zustand der Erlö­sung wird mit den Wör­tern neti neti »Nicht so, nicht so« umschrie­ben und meint, dass der Zustand schlicht­weg nicht beschrie­ben wer­den kann.

Die­se Leh­re, dass schlech­te Taten auch nach dem Tode auf den Ver­ur­sa­cher zurück fal­len, hat dazu geführt, dass den Devo­tees die Gewalt­lo­sig­keit enorm wich­tig ist und auch prak­ti­ziert wird, indem z.B. kein Fleisch geges­sen wird.

 

Yoga

Yoga (zu skt. yuj- “anbin­den, anjo­chen”) bedeu­tet ent­we­der anbin­den des Kör­pers an die See­le oder der See­le an Gott und ver­gleicht sich somit mit dem Wort Reli­gi­on (zu lat. re-lige­re “sich wie­der ver­bin­den”). Je nach Ver­an­la­gung des ein­zel­nen Men­schen gibt es ver­schie­de­ne Wege, sich dem Gött­li­chen zu nähern und um Erlö­sung zu erlan­gen. Selbst­ver­ständ­lich kön­nen die ver­schie­de­nen Wege kom­bi­niert wer­den und jede Schu­le gibt auch ver­schie­de­ne Anlei­tun­gen für einen bestimm­ten Weg.

  • der Bhak­ti Yoga ist der Weg der Hin­ga­be und gilt oft als der leich­tes­te Weg. Er ist beson­ders für gefühls­vol­le Men­schen geeig­net.
  • der Jna­na Yoga ist der Weg des Stu­di­ums hei­li­ger Schrif­ten sowohl der Selbst­be­trach­tung. Er ist geeig­net für intel­lek­tu­el­le Natu­ren.
  • der Kar­ma Yoga ist der Weg selbst­lo­sen Han­delns und geeig­net für tat­kräf­ti­ge Men­schen.
  • der Kri­ya Yoga ist der Weg der Kult­aus­übung und ver­langt, dass die Ritua­le exakt aus­ge­übt wer­den. Kri­ya Yoga und Kar­ma Yoga wer­den oft ver­wech­selt.
  • der Hatha Yoga dient der Rei­ni­gung des Kör­pers und gilt als Vor­be­rei­tung für den Raja Yoga.
  • der Raja Yoga oder der König­syo­ga ist der Weg der Geist­be­herr­schung und kann nur von fort­ge­schrit­te­nen Yog­ins beschrit­ten wer­den.
  • der Kun­da­li­ni Yoga ist ein tan­tri­scher Weg der inne­re Lebens- und Schlan­gen­kraft.
Cha­rak­te­ris­ti­sche Eigen­schaf­ten des Hin­du­is­mus — eine offen­bar­te Reli­gi­on

Hin­du­is­mus ist die Reli­gi­on der Hin­dus und ein Name für vor­herr­schen­de uni­ver­sel­le Reli­gi­on. Es ist die ältes­te aller leben­di­gen Reli­gio­nen. Sie wur­de von kei­nem Pro­phe­ten gegrün­det. Er basiert nicht auf bestimm­ten Dog­men, die von bestimm­ten Leh­rern gepre­digt wer­den. Es ist frei von reli­giö­sem Fana­tis­mus. Hin­du­is­mus ist auch unter den Namen Sana­ta­na-Dhar­ma und Vai­di­ka-Dhar­ma bekannt. Sana­ta­na-Dhar­ma bedeu­tet “ewi­ge Reli­gi­on”. Der Hin­du­is­mus ist so alt wie die Welt. Hin­du-Schrif­ten sind die ältes­ten der Welt, Sana­ta­na-Dhar­ma wird nicht nur so genannt, weil es ewig ist, son­dern auch, weil es von Gott beschützt ist und weil es uns ewig wer­den lässt. Vai­di­ka-Dhar­ma bedeu­tet “die Reli­gi­on der Veden”. Die Veden sind die grund­le­gen­den Schrif­ten des Hin­du­is­mus. Die alten Rhi­sis und Wei­sen von Indi­en haben ihre intui­ti­ven spi­ri­tu­el­len Erfah­run­gen (Aparok­s­ha-Anub­huti) in den Upa­nis­ha­den aus­ge­drückt. Die­se Erfah­run­gen sind direkt und unfehl­bar. Der Hin­du­is­mus betrach­tet die spi­ri­tu­el­len Erfah­run­gen der Rishis von einst als sei­ne Auto­ri­tät. Die unbe­zahl­ba­ren Wahr­hei­ten, von den Hin­du Rishis und Wei­sen über Jahr­tau­sen­de ent­deckt, begrün­den die Herr­lich­keit des Hin­du­is­mus. Daher ist der Hin­du­is­mus eine offen­bar­te Reli­gi­on.